Prävalenz von psychischen Störungen in Tirol

Daten für Tirol (mittlere Jahresprävalenz)
(hochgerechnet für Tirol aus den Prävalenzdaten von Deutschland: Die Größenordnung psychischer Störungen in Europa;Jacobi, F. & Wittchen, H.-U.,2012)

Die neuen deutschen und europäischen Daten zeigen zuverlässige Aussagen über Prävalenzen und der Versorgungswirklichkeit auf, die auch auf Tirol übertragen werden kann:

Ca. 1/3 der Bevölkerung weisen aufs Jahr gerechnet eine oder mehrere klinisch bedeutsame psychische Störungen auf. Nur knapp 1/3 davon hatte deswegen Kontakt zum Medizinsystem. 

Mehr als 200 000 Tirolerinnen und Tiroler sind betroffen
——Kinder und Jugendliche
—25 000 (Quelle: Symposium der pro mente Tirol am 13. 2.2014, Referat OA Dr. Fuchs,  Universitätsklinik für Kinder und Jugendpsychiatrie Innsbruck)
 
 
 
—Todesfälle (Quelle :Statistik Austria, 2012: Ursachenstatistik (Psychiatrische Krankheiten F00-F99) für Tirol )
— 88  im Krankenhaus psychiatrisch
—103 Suizide
—Lebenserwartung
—Minus 12-14 Jahre
(Quelle:Deutsche Ärztezeitung, Psychisch Kranke - diskriminiert mit tödlichen Konsequenzen: Dt. Ärztezeitung Juni 2013)
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Prävalenz von psychischen Störungen in Österreich und Tirol

 

Hohe und steigende Anzahl von psychischer Beeinträchtigung

900.000 Menschen in Österreich nahmen im Jahr 2009 das Gesundheitssystem wegen psychischer Erkrankungen in Anspruch, 130.000 Menschen mit psychotherapeutischen Krankenbehandlungen. Die Kosten betrugen rund 750 Millionen Euro, davon rund 280 Millionen in Spitälern,  68 Millionen Euro für Psychotherapie und Diagnostik.

Auffällig ist die starke Wachstumsdynamik: Krankenstände wegen psychischer Diagnosen steigen doppelt so stark an wie jene mit körperlichen Ursachen zwischen 2007 und 2009 – ein Trend, der sich auch im hohen Anteil psychisch bedingter Frühpensionen niederschlägt (häufigste Ursache, jede 3.). Dazu dauerten die Krankenstände der 78.000 Betroffenen im Durchschnitt 40 Tage und damit fast viermal so lang wie bei den körperlich Erkrankten.

Rund 840.000 Menschen bekamen im Jahr 2009 Psychopharmaka verschrieben, 120.000 Patienten suchten einen Facharzt für Psychiatrie auf, und 70.000 waren wegen psychischer Diagnosen im Spital. Die Allgemeinmediziner spielen in der Versorgung offenbar eine zentrale Rolle: Über zwei Drittel der Erstverschreibungen von Psychopharmaka werden vom Hausarzt vorgenommen.

In Österreich sind  ca. 200 000 Personen durch eine psych. Krankheit beeinträchtigt . Das betrifft aber nur Personen, die aufgrund Ihrer Beeinträchtigung Sozialleistungen in irgendeiner Form beziehen.

Das ergäbe geschätzte 20 000 Personen für Tirol, mitbetroffen sind auch jeweils 3-5 Angehörige, also ein Personenkreis von nahezu 100 000.  Im Jahr 2009 gab es in Tirol allein 11 933 stationäre Aufnahmen in psychiatrische Abteilungen eines Krankenhauses . Die Prävalenz von psychischen Krankheiten ist aber wesentlich höher, es ergibt sich für Deutschland eine 12-Monatsprävalenz von 9,1%. Das würde für Tirol alleine im Bereiche der Kinder und Jugendlichen ca.10 000 Kinder/Jugendliche mit ernsthaften psychischen Schwierigkeiten zum aktuellen Zeitpunkt bedeuten.

Behinderung

Im vergangenen Jahrzehnt ist ein verstärktes Bemühen um einen nicht diskriminierenden Umgang  mit dem Thema Behinderung erkennbar, durch eine Abkehr von einer rein medizinisch bestimmten Auffassung zu einem ganzheitlich orientierten Verständnis, die auch in der österreichischen Gesetzgebung wahrgenommen wird: Jene Personen, die eine subjektiv wahrgenommene starke Beeinträchtigung bei der Verrichtung der täglichen Arbeiten haben, die mindestens 6 Monate andauert.

In Österreich sind ca. 200 000 Personen  durch eine psychische Krankheit beeinträchtigt, das ist die 3.größte Gruppe (nach Mobilität, Sehen) von Behinderung.

Die Neuzugänge an Invaliditätspensionen betrug 28 273 Personen im Jahre 2011, wobei psychiatrische Erkrankungen mit 9070 schon die häufigste Ursache waren.

Hohe und steigende Anzahl an Todesfällen

Die Todesursachenstatistik (Psychiatrische Krankheiten F00-F99) für Tirol zeigt einen dramatischen Anstieg  von 35 Todesfällen  im Jahre 2000 auf 88 im Jahre 2012, die Suizide sind im Vergleichszeitraum zwar von 126 auf 103 gesunken, wobei Tirol die geringste Senkung in Österreich diesbezüglich aufweist- aber insgesamt sterben in Tirol mehr an psych. Krankheiten bzw. Suizid als an Diabetes.

Anfragebeantwortung von Landesrat Dr. Tilg vom April 2014 über psychische Krankheiten in Tirol
Untersuchung der Medlizinischen Universität/ Kinder und Jugendpsychiatrie Nov. 2013

Seyle Studie über das selbstgefährdende Verhalten und Risikoverhalten von Jugendlichen in Tirol

Link zur website von seyle.at

 UMIT-Tagung-2010-Kinder-und Jugenpsychiatrie- Prävalenz 

Wie häufig sind psychische Krankheiten in Europa

Die Größenordnung psychischer Störungen in Europa The size and burden of mental disorders and other disorders of the brain in Europe 2010
Jacobi, F. & Wittchen, H.-U.Technische Universität Dresden, Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie
Hintergrund:Bislang gab es in der EU nur sporadische Versuche, die Verteilung der Ressourcen im Gesundheitsbereich hinsichtlich unterschiedlicher Krankheitsarten zu analysieren. Es besteht jedoch kaum Zweifel, dass die Kosten psychischer Störungenund neurologischer Erkrankungen ("disorders of the brain") bisher dramatisch unterschätzt wurden.