Todesfälle aufgrund psychiatrischer Krankheiten in Tirol

In Tirol sterben mehr Menschen an psychischen Erkrankungen und Suizid als an Diabetes. In den letzten Jahren ist ein Anstieg zu verzeichnen.

Die beiden eingebrachten Petitionen von Mag. Westreicher und Mag.Erlacher zur Verbesserung der psychosozialen Gesundheit in Tirol zeigen Wege auf, wie diese unakzeptable Diskriminierung von psychisch Kranken und deren Angehörigen verbessert werden kann.

 

 

Wünsche der Betroffenen und Angehörigen bezüglich psychosozialer Versorgung in Tirol für das Jahr 2016

"In fast jeder Hinsicht zählen Menschen mit psychischen Gesundheitsproblemen zu den am stärksten sozial Ausgegrenzten und alle Betroffenen nennen Stigmatisierung, Diskriminierung und Ausgrenzung als wesentliche Hürden auf dem Weg zu Gesundheit, Wohlbefinden und Lebensqualität.“ (Zitat: Europäische Kommission 2010):

Gleichbehandlung in allen Bereichen: Verbesserung der psychosozialen Gesundheit in Tirol im Lichte der UN-Konvention

Gesundheitssystem

Sozialsystem

Bildung

Arbeitsmarkt

Rechtswesen

Menschenrechte

Kultur, Politik, Religion

Forderungen zum Tag der Menschenrechte

Am 10.Dezember wird der internationale Tag der Menschenrechte gefeiert.

Menschen mit psychischen Problemen und die Angehörungen werden wieder vermehrt stigmatisiert und diskriminiert.

Für den Bereich Psychiatrie und psychosoziale Gesundheit in Tirol sind nach den Forderungen der WHO und der UN-Behindertenrechtskonvention folgende Punkte, die für Menschen ohne psychische Beeinträchtigung großteils selbstverständlich sind.

1.) Gleichbehandlung von Menschen mit psychischen Störungen in der Gesundheitsversorgung:

- Prävention: mobilen Krisen- und Notdienst 24h/365d auch für psychisch Kranke

- leistbare (auf Krankenschein) Diagnose, Behandlung, Therapie und Rehabilitation nach dem Stand der Wissenschaft

- Alternativen zu Zwangsbehandlung (Medikation durch Psychopharmaka) und Zwangsunterbringung mit Entzug der Freiheit und Einschränkung der Persönlichkeitsrechte, sowie von Beschränkungen der Bewegungsfreiheit durch medikamentöse und mechanische Fixierung durch strukturelle und Humanressourcen in den Altenheimen, psychiatrischen Abteilungen, Pflegeheimen und psychosozialen Einrichtungen

2.) Selbstbestimmung und Teilhabe in allen Bereichen des Lebens durch Unterstützung und persönl. Assistenz oder persönl. Budget mit Rechtsanspruch wie in Deutschland.

3.) STOPP der Sachwalterschaft

4.) STOPP neue Sonderschulen

5.) STOPP den Werkstätten, bezahlte Arbeit und Sozialleistungen für alle Menschen

6.) Deinstitutionalisierung : STOPP von neiuen Aufbewahrungsanstalten

7.) Behindertenanwalt auch für Tirol

Nähere Information: Aus dem Bereich psychosoziale Gesundheit/Psychiatrie und Menschenrechte ist die Stellungnahme von Mag. Otto Westreicher, Mitglied des Monitoringausschusses für Tirol eingegangen.Stellungnahme: Mitglied des Monitoringausschusses des Landes Tirol_Dezember 2014 (408,8 KiB)

Handlungsbedarf auch in der Psychiatrie und psychosozialen Einrichtungen in Tirol nach dem Bericht der Volksanwaltschaft

Der österreichs Bericht der Volksanwaltschaft zum Übereinkommen gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (CAT) vom 9. 11. 2015 anlässlich der bevorstehenden Staatenprüfung des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte (OHCHR):

http://volksanwaltschaft.gv.at/artikel/Volksanwaltschaft-uebermittelt-Stellungnahmen-zur-CAT-Staatenpruefung?topic_type=aktuelles&archiv=0

Stellungnahme der VA an das OHCHR - englische Fassung (540,4 KiB)

Grundlage bietet der Nationale Aktionsplan Menschenrechte: Zusammenfassung Beiträge der Zivilgesellschaft durch die Volksanwaltschaft(2015)

Unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (CAT)

Österreichs Bericht zum Übereinkommen gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (CAT) erfolgt im Rahmen der nächsten Staatenprüfung 2015.

Grundlage bildet der Nationale Aktionsplan Menschnerechte in Österreich. Aus dem Bereich psychosoziale Gesundheit/Psychiatrie und Menschenrechte ist nur die Stellungnahme von Mag. Otto Westreicher, Mitglied des Monitoringausschusses für Tirol eingegangen.Stellungnahme: Mitglied des Monitoringausschusses des Landes Tirol_Dezember 2014 (408,8 KiB- auf der Homepage der Volksanwaltschaft)

Weitere Arbeitsunterlagen finden Sie hier (Homepage der Volksanwaltschaft):

Zusammenfassung der Vorschläge der Zivilgesellschaft

Übersicht internationaler Empfehlungen an Österreich

Die englische Fassung der an das OHCHR übermittelten Stellungnahme der Volksanwaltschaft  ist auf der Homepage der Volksanwaltschaft abrufbar.

Gedenken an die Toten in der Psychiatrie Hall in Tirol

Die Grabungen am ehemaligen Friedhof des Psychiatrischen Krankenhauses in Hall über die vermutete wilde Euthanasie in der NS-Zeit  beleuchten auch den Mord an psychisch kranken und behinderten Menschen im in Dritten Reich.

http://www.horstschreiber.at/texte/czermak-und-die-nseuthanasie-in-tirol

http://hubwenzl.blog.de/2012/08/08/dunkler-fleck-psychiatrische-anstalt-hall-tirol-14416308/

Video: http://www.welt.de/kultur/history/article11966025/Die-Euthanasie-Morde-der-Nazis-endeten-erst-1945.html

 

Die Historikerkommission präsentierte Schlussbericht zur Untersuchung der Vorgänge auf dem Anstaltsfriedhof des Psychiatrischen Krankenhauses in den Jahren 1942 bis 1945 hat keine Hinweise darauf gefunden, dass 228 von November 1942 bis April 1945 auf dem Anstaltsfriedhof der Psychiatrie in Hall in Tirol bestattete Menschen Opfer von "systematisch geplanter dezentraler Euthanasie" geworden sind. Tötungen oder zumindest das Herbeiführen oder Zulassen eines "schnellen Todes" könne hingegen nicht ausgeschlossen werden, hieß es im Bericht.

Die verabreichten Psychopharmaka waren nicht per se tödlich, die Patienten starben meistens an Lungenentzündung.

Ebenso war Gewalt seitens der Pfleger präsent- mehrere Leichen wiesen mehrfache Knochenbrüche auf- die natürlich in der Krankengeschichte nicht dokumentiert waren.

Der Bericht der Expertenkommission liegt vor: Bericht in der TT Haller Gräber: Keine Hinweise auf systematische Euthanasie

Dagegen beleuchtet der Film "Tote lügen nicht" den Mord an psychisch kranken und behinderten Menschen: Trailer: Tote lügen nicht

Erstmals wurde am 8.November 2015 ein Gedenkgottesdienst mit Bischof Dr.Scheuer veranstaltet.

In Stams wurde schon im Jahre 2014 eine Gedenktafel errichtet.NS-Euthanasie im psychiatrischen Krankenhaus-Hall-in-Tirol-Gedenktafel in Stams

Handlungsbedarf auch in der Psychiatrie Tirol nach Staatenprüfung

A delegation of the Council of Europe's Committee for the Prevention of Torture and Inhuman or Degrading Treatment or Punishment (CPT) carried out a periodic visit to Austria from 22 September to 1 October 2014.

Der am 7.November 2015 erschiene BERICHT des Europäischen Komitees zur Verhütung von Folter und unmenschlicher odererniedrigender Behandlung oder Strafe (CPT) an die österreichische Regierung über seinen Besuch in Österreich zeigt Handlungsbedarf auch für Tirol auf. Zahlreiche Empfehlungen wurden nicht umgesetzt.

BERICHT des Europäischen Komitees zur Verhütung von Folter und unmenschlicher odererniedrigender Behandlung oder Strafe (CPT) in Deutsch

BERICHT des Europäischen Komitees zur Verhütung von Folter und unmenschlicher odererniedrigender Behandlung oder Strafe (CPT) in Englisch

Die Empfehlungen, die auch für Tiroler Psychiatrie  relevant sind:

Private Sicherheitsdienste

Freiheitsbeschränkungen durch Fixierung

Freiheitsbeschränkung durch Medikamente

Unterbringungen von Kinder-und Jugendlichen in der Erwachsenenpsychiatrie

Einschränkung der Persönlichkeitsrechte

Auch somatische Untersuchung

Stigmatisierung von psychisch Kranken und Angehörigen

Stigmatisierung von psychisch Kranken und der Anheghörigen schreitet trotz aller internationalen Präventionsversuche weiter stark an.

Primar Dr. Schmidt sieht einzig die ständige Begegnung von Betroffenen, Fachleuten und Angehörigen als Weg aus der Stigmatisierung psychischer Erkrankungen.

Beim Osttiroler Selbsthilfetag wurden Wege aus der Stigmatisierung diskutiert.

http://m.tt.com/panorama/gesellschaft/10731248-91/osttiroler-selbsthilfetag-wege-aus-der-stigmatisierung.csp

Leider immer noch aktuell: Entnommen: Psychische Gesundheit: Herausforderungen annehmen, Lösungen schaffen: Bericht über die Ministerkonferenz der Europäischen Region der WHO, 2005

i. Maßnahmen gegen Stigma und Diskriminierung anregen und dabei betonen, wie allgegenwärtig psychische Gesundheitsprobleme sind, wie gut die Heilungsaussichten und Behandlungschancen im Allgemeinen sind und wieselten sie mit Gewalt verbunden sind.

ii. Behindertengesetzgebung einführen oder überprüfen, um sicherzustellen,dass psychische Gesundheit gleichberechtigt und chancengleich umfasst ist.

iii.)Nationale, sektorale und betriebliche Konzepte entwickeln und einführen, die bei Anstellungsverfahren jede Form von Stigma und Diskriminierung inVerbindung mit psychischen Gesundheitsproblemen beseitigen.

iv.)Die gemeindenahe Beteiligung an psychosozialen Programmen vor Ort stimulieren, indem Initiativen nichtstaatlicher Organisationen unterstützt werden.

v.)Ein stimmiges Programm aus Politik und Gesetzgebung erarbeiten, das gegen Stigma und Diskriminierung vorgeht und internationale und regionaleMenschenrechtsnormen einschließt.

vi.)Einen konstruktiven Dialog mit den Medien aufnehmen und sie systematisch mit Informationen versorgen.

vii. Standards für die Vertretung von Betroffenen und Betreuenden in Ausschüssen und Gruppen schaffen, welche für die Planung, Erbringung,Überprüfung und Inspektion von psychosozialen Angeboten verantwortlich sind.

viii. Lokale und nationale nichtstaatliche und von den Betroffenen betriebene Organisationen schaffen und entwickeln, die die Menschen mit psychischen Gesundheitsproblemen, die sie Betreuenden und die Gemeinschaften, in denen sie leben, vertreten.

ix.  Die Integration von Kindern und jungen Menschen mit psychischen Gesundheitsproblemen und Behinderungen in das allgemeine Bildungs- und Berufsausbildungssystem fördern.

x.)Berufliche Ausbildungsmöglichkeiten für Menschen mit psychischen Gesundheitsproblemen schaffen und die Anpassung von Arbeitsplätzen und -methoden an ihre besonderen Bedürfnisse mit dem Ziel unterstützen, ihren Eintritt in den Arbeitsmarkt zu sichern.