Prävention und Handlungsbedarf: Suizide in Tirol

Artikel in der Tiroler Tageszeitung vom 18.02.2016: Suizidprävention: Wege aus der Ausweglosigkeit

Diese Wege aus der Aussichtslosigkeit waren auch Anlass für die beiden Petitionen an den Tiroler Landtag- eingebracht von Mag.Otto Westreicher, Mitglied des Tiroler Monitoringausschusses zur Überwachung der Rechte der Menschen mit Behinderung nach UN_Konvention und Mag. Erlacher, Leiter der  HPE (Hilfe für Angehörige psychisch Erkrankter) , zur Verbesserung der psychosozialen Versorgung in Tirol - auch im Lichte der UN-Konvention.

Es wurden  Präventivmaßnahmen gefordert :

einen mobilen 24 Stunden Krisendienst,

niederschwellige (sprich kostenlose bzw. auf Krankenschein) Behandlung von psychisch Kranken.

Seit dem hat sich die psychosoziale Versorgungslage verschlechtert. In Reutte ist die Selbstmordrate um das Dreifache angestiegen. Aus der Tiroler Tageszeitung ist zu entnehmen "dass Primar Eugen Ladner die hohen Suizidzahlen persönlich betroffen machen. Die Ursachen seien vielfältig. Er verweist auf das in der Literatur einzig probat­e Mittel, um dies­e Schicksale reduzieren zu können: „Alles muss niederschwelliger werden. Sowohl was das Angebot der Hilfe als auch dessen Annahme betrifft.“ Es müsse unter anderem selbstverständlicher werden, Behandlung in Anspruch zu nehmen; aber auch auf die Notwendigkeit hingewiesen zu werden. Für Ladner steckt im Ausbau der Versorgung psychiatrischer Patienten im Bezirk Reutte noch ein riesiges Entwicklungspotenzial."

Solange man die psychisch Kranken und die Angehörigen nicht ernst nimmt und sie nicht teilhaben lässt als die "wahren Experten" bei der Gesundheitsversorgung, wird sich die Situation nicht bessern. Die Problemkreise sind seit der aus den Petitionen hervorgegangenen Enquete allen Verantwortlichen bekannt: Die Zwangs-Psychiatrie ist nicht UN-konform und nicht vertrauensaufbauend. Die Diskriminierung und Stigmatisierung von Menschen in psychosozialen Krisen und deren Angehörigen muss auch in Tirol durch Einbeziehung der Betroffenen und deren Angehörigen vermindert werden. Immerhin starben in Tirol (im Jahre 2012) 137 Menschen aufgrund einer psychiatrischen Diagnose und weitere 92 an Suizid, also insgesamt mehr als an Diabetes.

Alle Unterlagen zur Enquete 2014: Verbesserung der psychosozialen Versorgung in Tirol

Handlungsbedarf in der geschlossenen Psychiatrie in Tirol

Aufgrund des neuen Analyseberichts der Österreichischen Gesellschaft für Gesundheit vom Jänner 2016 zur Unterbringung in der Psychiatrie für den Zeitraum 2012/13 ergeben sich Handlungsbedarf, damit die formal-rechtlichen und materiell- rechtlichen Unterbringungsvoraussetzungen auch in Tirol eingehalten werden.

Analysebericht Unterbringung in der Psychiatrie in Österreich Jänner 2016 für die Jahre 2012/2013

Die Anzahl der Unterbringungen in der geschlossenen Psychiatrie, als letztes Mittel, ist in Tirol immer noch sehr hoch:

Die Anzahl der freiheitsbeschränkenden Maßnahmen, wie mechanische Fixierung ist immer noch sehr hoch:

Die Anzahl der gemeldeten Freiheitsbeschränkungen in der Psychiatrie in Tirol aufgrund exzessiver Gabe von sedierenden Psychopharmaka ist gleich NULL, und das obwohl die Besuche durch die Kommissionen der Volksanwaltschaft ergeben haben, dass eine Zunahme der medikamentösen Fixierungen in den Heimen und psychosozialen Einrichtungen durch Fehlen bzw. Mangel an Ressourcen (Personal) und strukturellen Defiziten österreichweit zu verzeichnen ist. Das widerspricht eindeutig auch den internationalen Normen und Abkommen (UN-Konventionen für Menschen mit Behinderung, CAT - Antifolterabkommen, OPCAT) und dem Aktionsplan Menschenrechte.

 

 

 

 

 

 

Die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Innsbruck führt eine eigene Sprechstunde für Selbstverletzungen ein

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit selbstverletzendem Verhalten ist laut Studien im Steigen. Rund 20 Prozent der Minderjährigen sollen sich schon einmal selbst Verletzungen zugefügt haben, erklärten Experten der Universitätsklinik Innsbruck am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Deshalb wird eine eigene Sprechstunde für Selsbtverletzungen in der Innsbrucker Klinik für Kinder-und Jugendpsychiatrie eingerichtet.

Universitätsklinik Kinder-und Jugendpsychiatrie: (Direktorin Fr. Univ.Prof.in.Dr.in. Sevecke)

Ambulanz
Terminvereinbarung: Mo - Fr  08.00 – 16.00 Uhr
Außerhalb der Öffnungszeiten können Sie in dringenden Fällen eine Nachricht hinterlassen.

Tel:      050504 23502

Siehe: Bericht in der TirolerTageszeitung : http://www.tt.com/home/11042498-91/selbstverletzungen-bei-kindern-und-jugendlichen-steigen-laut-experten.csp

40 Jahre pro mente : Entwicklungen Sozialpsychiatrie

Fachtagung Entwicklungen in der Sozialpsychiatrie
Donnerstag, 17. März 2016, 9 – 10.30 Uhr Tag der offenen Tür und Eröffnung der Residenz Harterhof, Innsbruck/Kranebitten
Entwicklungen in der Sozialpsychiatrie
Donnerstag, 17. März 2016, 12.30 –19 Uhr Perspektiven von Betroffenen und Angehörigen
Freitag, 18. März 2016, 8–19 Uhr Die Zukunft der Sozialpsychiatrie: Veränderung von gesellschaftlichen und
institutionellen Rahmenbedingungen
Samstag, 19. März 2016, 8–13 Uhr Besondere Anforderungen an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Tagungsort Landhaus 1 · Großer Saal · Parterre · Eduard-Wallnöfer-Platz 3 · 6020 Innsbruck
Anmeldung Tagungssekretariat pro mente tirol · T +43 512 585129 · Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Veranstalter pro mente tirol · Karl-Schönherr-Straße 3 · 6020 Innsbruck · T +43 512 585129
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! · www.promente-tirol.at

Menschenrechte: Handlungsbedarf in psychosozialen Einrichtungen auch in Tirol

Die Volksanwaltschaft hat dem UN-Unterausschuss zur Verhütung von Folter ("SPT") über ihre Arbeit als Nationaler Präventionsmechanismus zur Verhütung von Folter berichtet: (nur in Englisch) Der gesamte Bericht ist auf der Homepage der Volksanwaltschaft abrufbar:

 
Daraus ergeben sich auch für Tirol wesentliche Kritikpunkte bezogen auf die psychosoziale Versorgung und den Menschenrechten:
 
- Deinstitutionalisierung: (mobil vor stationär, leistbare, gemeindenahe, bedarfs- und bedürfnisorientierte psychosoziale Versorgung)
- Unterstützung für Menschen mit Behinderung an der Teilhabe
- Medikamentöse Freiheitsentziehung (Sedierung) in psychosozialen Einrichtungen (Alten- und Plegeheimen)
- Freiheitsentziehung in psychiatrischen Krankenanstalten: Deeskalation, strukturelle Probleme
- Maßnahmenvollzug: Alle Menschen haben das Recht auf Pflege, Gesundheitsversorgung und Würde wie Menschen die in Freiheit leben
- Gerechter Lohn und soziale Absicherung auch für Menschen in (therapeutischen) Werkstätten
 
Eine ausführliche Stellungnahme zum Nationalen Aktionsplan Menschenrechte aus psychosozialer Sicht von Mag. Otto Westreicher ist auf der Homepage der Volksanwaltschaft abrufbar:
 

Zwingende Verpflichtung zum Schutz potentieller Opfer von Folter und unmenschlicher Behandlung

Art. 12 und 13 der UN-Konvention gegen Folter (CAT) sowie Art. 3 EMRK verpflichten alle Mitgliedstaaten dazu, jede glaubwürdig behauptete oder vermutete Verletzung des Verbots der Folter und unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung durch öffentlich Bedienstete in möglichst effizienter und schnellster Weise von einer unabhängigen unparteiischen Instanz untersuchen zu lassen. Krankenanstalten bzw. den dort tätigen Ärztinnen und Ärzten kommt dabei eine entscheidende Rolle bei der Aufklärung von behaupteten Übergriffen von dort tätigen Beamten im Auftrag des Staates wie Polizei, Pflegepersonal und Sicherheitspersonal, bei Menschen die Freiheit an verschiedenen Orten entzogen werden, etwa in Justizanstalten, Kasernen, psychiatrischen Einrichtungen, Alten- und Pflegeheimen, Krisenzentren, Wohngemeinschaften für Jugendliche sowie Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen. Gerade in psychiatrischen Krankenhäusern in Tirol ist die Unterbringung von psychisch Kranken Personen sehr hoch. Zur Verstärkung des präventiven Menschenrechtsschutzes durch Anwendung des Istanbul-Protokolls in allen österreichischen Krankenanstalten sollen alle Missbrauchsvorwürfe unabhänig geprüft werden. Es ergeben sich daraus Leitlinien und Hinweise für Ärztinnen und Ärzte, Anwältinnen und Anwälte, sowie Psychologinnen und Psychologen, wie sie Folter und Misshandlungsvorwürfen effektiv nachgehen, Folgen dokumentieren und ordnungsgemäß sichern können.

Transparenz in der Behindertenhilfe

Transparenz in der Behindertenhilfe 7. Plenum

Donnerstag, 28.01.2016, 09.00 bis 12.15 Uhr

Großer Saal, Landhaus 1, Erdgeschoss

 09:00 Uhr         Begrüßung

  1. in LRin Christine Baur

 09:15 Uhr         Transparenzteam

  • Vorstellung Mitglieder
  • Vorstellung Aufgaben
  • Überblick Transparenzdialog

 09:45 Uhr         Berichte Transparenzprozess

  • AG Qualität
  • AG Rollenklärung
  • AG Leistungsbeschreibungen
  • Tarifgespräche, AG Tarife àAG Abrechnungsmodalitäten
  • Forum/AG Wegzeiten
  • Pilotprojekt „Persönliches Budget“

10:45 Uhr         Pause

 11:15 Uhr         Vorstellung Implementierung Interessensvertretung

 12:00 Uhr         Abschluss

Todesfälle aufgrund psychiatrischer Krankheiten in Tirol

In Tirol sterben mehr Menschen an psychischen Erkrankungen und Suizid als an Diabetes. In den letzten Jahren ist ein Anstieg zu verzeichnen.

Die beiden eingebrachten Petitionen von Mag. Westreicher und Mag.Erlacher zur Verbesserung der psychosozialen Gesundheit in Tirol zeigen Wege auf, wie diese unakzeptable Diskriminierung von psychisch Kranken und deren Angehörigen verbessert werden kann.

 

 

Wünsche der Betroffenen und Angehörigen bezüglich psychosozialer Versorgung in Tirol für das Jahr 2016

"In fast jeder Hinsicht zählen Menschen mit psychischen Gesundheitsproblemen zu den am stärksten sozial Ausgegrenzten und alle Betroffenen nennen Stigmatisierung, Diskriminierung und Ausgrenzung als wesentliche Hürden auf dem Weg zu Gesundheit, Wohlbefinden und Lebensqualität.“ (Zitat: Europäische Kommission 2010):

Gleichbehandlung in allen Bereichen: Verbesserung der psychosozialen Gesundheit in Tirol im Lichte der UN-Konvention

Gesundheitssystem

Sozialsystem

Bildung

Arbeitsmarkt

Rechtswesen

Menschenrechte

Kultur, Politik, Religion