Ein Jahr nach der Enquete zur Verbesserung der psychosozialen Gesundheit in Tirol

Aufgrund der von Mag. Westreicher Otto initiierten Petitionen an den Tiroler Landtag:

wurde im Juni 2014 die Enquete : Verbesserung der psychosozialen Gesundheit in Tirol abgehalten

Im Zentrum steht das Wohl der/des Patientin/der Patienten und der Angehörigen

Ziel ist der beste  niederschwellige, medizinische (State of the Art, multimodal) und psychosoziale Zugang (evidenzbasiert, Best-Practice, Leitlinien) zur Prävention, Aufklärung, Diagnostik, Beratung, Behandlung, Therapie und Rehabilitation von psychischen und psychosomatischen, psychosozialen Störungen, mit  Einbeziehung der Angehörigen und des sozialen Betreuungsumfeldes durch Kooperation mit den Helfersystemen und einem Paradigmenwechsel (bio-psychosoziales Modell) und der notwendigen Umschichtung von Ressourcen (personenzentriert vs institutionenzentriert) entsprechend der beiden Petitionen und den Grundprinzipien der UN-Konventionen (CRDP-Menschen mit Behinderung, CAT-Antifolterkonvention, CRC-Kinderrechtskonvention,CEDAW-Frauenkonvention) :

1.) Mobiler aufsuchender Krisendienst (Best Practice: Kärnten: 24h/365d, mobile krisenintervention kärnten.pdf)

Wurde bisher leider noch nicht umgesetzt!!!

2.) Gemeindenahe Versorgung: Home-treatment( Best Practice,Dr. Becker-Home_Treatment_11.pdf, Günzburg)

Wurde bisher leider noch nicht umgesetzt!!!

3.) Leistbarer, niederschwelliger (auf Krankenschein) Zugang zur Gesundheitsversorgung, ambulant vor stationär

Wurde bisher leider noch nicht umgesetzt!!! Für Kinder- und Jugendliche wurden bessere Bedingungen geschaffen, aber da es derzeit keine Ärztin/keinen Arzt für Kinder-und Jugendpsychiatrie in Tirol mit einem Vertrag der TGKK gibt, ist eine leistbare optimale Behandlung nur auf dem Papier gegeben.

4.) Bedeutung der Angehörigen (HPE-Tirol-Erlacher-Fischer ,Betroffene)

5.) Abbau von Stigma, Diskriminierung (Entstigmatisierung-Entdiskriminierung von psychisch Kranken-Lobos-Gutierrez.pdf)

6.) UN-Konvention und Auswirkungen auf die psychosoziale Versorgung, Menschenrechte (Mag. Otto Wesitgtreicher Mitglied des Monitoringausschusses des Landes Tirol,Handlungsempfehlungender UNO-CRPD-C-AUT-CO-1_en-original.pdfHandlungsempfehlungen -CRPD-C-AUT-CO-1_de-okt2013-bizeps,http://psychiatrie.or.at/images/docs/Psychosoziale-Gesundheit-im_Lichte-der-UN-Konvention-Enquete-Tirol-2014-westreicher.pdf )

Wurde bisher leider noch nicht umgesetzt!!! Die menschenrechtliche Situation hat sich sogar verschlechtert.

7.) Kinder und Jugendpsychiatrie kranke Kinder/kranke Eltern (Univ.Prof.in Dr.in Sevecke, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie)

Hier ist durch die Bestellung von Fr. Univ.Prof.Dr. Sevecke ein Meilenstein in Tirol im klinisch stationären und ambulanten  Bereich erfolgt. Es ist nur zu hoffen, dass auch der niedergelassene extramurale Bereich durch die Ausbildung von Fachärzten für Kinder-und Jugendpsychiatrie und durch Vernetzung mit den bestehenden Einrichtungen eine bessere Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Tirol erfolgen kann.

Sehr erfreulich ist die Pressemitteilung 

Psychosoziale Versorgung von Kindern und Jugendlichen

Gesundheit und Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen als Querschnittsmaterie vom 29.6.2015 bei LR Tilg:

Gesundheit in der frühen Lebensphase ist die Basis für ein gesundes Erwachsenenleben. Aus diesem Grund legt das Land Tirol besonderes Augenmerk auf die Gesundheit und das Wohl von Kindern und Jugendlichen. „Die Gesundheit – sowohl die psychische als auch die physische – ist eine Querschnittsmaterie. Um das Fundament für eine langfristige Gesundheit zu legen, bedarf es vieler Akteurinnen und Akteure“, betont Soziallandesrätin Christine Baur und rief daher ein Treffen zur Vernetzung der psychosozialen Versorgung von Kindern und Jugendlichen ins Leben.  

8.)Weiterentwicklung der Sozialpsychiatrie in Tirol (Prof.Toresini.pdf, )

 

Volksanwaltschaft und Kommissionen arbeiten unabhängig

Die jüngste Kritik an der Volksanwaltschaft und den Kommissionen von Institutionen und NGO´s ist in keinster Weise nachvollziehbar, im Gegenteil gerade durch  die präventive Menschenrechtskontrolle  bezüglich der Einhaltung von Menschenrechten in psychosozialen Einrichtungen, Heimen, Psychiatrien, Gefängnissen und überall wo Menschen festgehalten werden ist das erste Mal unabhängig durch die Kommissionen mit den Betroffenen gesprochen worden und dadurch verschiedene Problembereiche dokumentiert und aufgezeigt worden.

Sei es beispielsweise das Problem der Sachwalterschaft, bei dem gerade die VertreterInnen der Institutionen, die teilweise die Sachwalterschaft Ihrer KlientInnen beantragen und auch im Menschenrechtsbeirat und in den Gremien vertreten sind, wurde erst durch das Einschreiten der Volksanwaltschaft und der Kommissionen etwas bewegt- im Sinne der Betroffenen. Ebenso im Bereiche der kostenlosen Arbeit von Tausenden von Menschen mit Behinderungen in sogenannten Therapie-Arbeitsstätten in den psychosozialen Institutionen hat die Volksanwaltschaft im Sinne der Betroffenen eindeutig Stellung bezogen. Oder zuletzt wurde ganz deutlich die medikamentöse Fixierung (Sedierung)  in Heimen und psychosozialen Einrichtungen angeprangert.

Die Volksanwaltschaft unterstützt die Erstellung des ersten österreichischen Nationalen Aktionsplans Menschenrechte (NAP-Menschenrechte). Die Volksanwaltschaft hat die Zivilgesellschaft in diesen Prozess transparent eingebunden, alle Stellungnahmen sind auf der Homepage öffentlich einzusehen.

Weiterführende Links:

ngo-forum-menschenrechte-in-wien-aus-psychosozialer-sicht

sedierung-in-pflegeheimen-und-psychiatrischen-abteilungen

isolierzimmer-in-der-psychiatrie-hall-in-tirol-erinnert-an-todeszelle

fehlplatzierung-eines-langjaehrigen-psychiatriepatienten-in-hall-beendet

menschenrechtskontrolle-in-psychiatrie-und-psychosozialen-einrichtungen

 

 

 

 

 

Alternativen zur Sachwalterschaft als Menschenrecht

Im Rahmen der Veranstaltung am 8.Juni 2015 wurde in Wien auf die dramatisch ansteigenden Zahlen von Besachwalterungen in Österreich hingewiesen und  diverse Probleme im Bereich der Bestellung von Sachwaltern aufgezeigt.

60.000 Menschen in Österreich sind ihrer freien Entscheidungsmöglichkeit beraubt.  


Die Sachwalterschaft ist mit Entzug der fundamentalen Menschenrechte verbunden und aufgrund der eindeutigen Empfehlungen im Staatenbericht 2013 sowie den Erläuterungen völkerrechtlich eine der größten Diskriminierungen für Menschen mit Behinderung:

Das Recht von Menschen mit Behinderung auf unterstützte Entscheidungsfindung und auf Abkehr von Maßnahmen der rechtlichen Vertretung

  • Inhalt und Bedeutung des Allgemeinen Kommentars Nr. 1 (General Comment No.1-2014) des UN-Ausschusses über die Rechte von Menschen mit Behinderungen zu Art. 12 – BRK (Gleiche Anerkennung vor dem Recht) der UNO bzw.
  • Verhältnis zu den Artikeln Freiheit von Folter und grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe (Art. 15),
  • Medizinische Versorgung (Art. 16.),  
  • Schutz der Unversehrtheit der Person(Art 17) sowie 
  • Freiheit und Sicherheit der Person (Artikel 14),
  • Kinder mit Behinderungen (Artikel 7),
  • Selbstbestimmtes Leben und Inklusion in der Gemeinschaft (Art. 19),
  • Arbeit und Beschäftigung (ART. 27).

Die Situation in Tirol:

Persönliches Budget auch für psychisch Kranke möglich

Persönliches Budget ermöglicht Menschen mit Behinderungen die selbstbestimmte Verwaltung von Assistenz- und Unterstützungsleistungen. Die Wünsche von Menschen mit Behinderungen, die Verwirklichung von Selbstbestimmung stehen dabei im Vordergrund. Das Persönliche Budget ist für alle Menschen mit Behinderungen gedacht, unabhängig von der Höhe des Unterstützungs- und Assistenzbedarfs. Es ist eine Alternative zu fremdbestimmt zugewiesenen Sachleistungen und daher als Geldleistung konzipiert. Das Persönliche Budget hat sich am tatsächlichen Bedarf einer Person zu richten/orientieren.
In Tirol ist ein Pilotprojekt in Planung, das für Menschen mit Behinderung auch die alternative Möglichkeit eines Persönlichen Budgets ermöglichen soll. 

Persönliches Budget: Stellungnahme des Monitoringausschusses

Psychiatrische Sachverständige (Gutachter) in Tirol

Aus der parlamentarischen Anfragebeantwortung vom Justizminister vom Mai 2015 betreffend der Qualität (Gibt es bestimmte von Seiten der Justiz definierte Tests oder Begutachtungsmethoden, die jedenfalls vom Sachverstädnigen durchgeführt werden müssen, um von einer Begutachtung lege artis ausgehen zu können?) und Häufigkeit von Sachverständigen, sieht die Situation in Tirol folgendermaßen aus: siehe auch : Jeden Tag ein Gutachten

Für die psychiatrische Kriminaldiagnostik scheint unter den Top 5 (die am häufigsten herangezogen werden) für ganz Österreich auf:
Platz 2 Dr.med. Michaela Honeder, Kassenärztin der Tiroler Gebietskrankenkasse für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin in Innsbruck, und auf

Platz 4 Dr. med. univ. Claudia Deutner, Kassenärztin der Tiroler Gebietskrankenkasse für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin in Innsbruck.
In der Sachverständigenliste der Justiz aus dem Bereich LG Innsbruck für Psychiatrie sind derzeit aktuell (2015) aufgelistet:

         
Auckenthaler Andrea Dr.        
Bachler Herbert Dr.med.univ.        
Bausch Thomas Dr. med.        
Berger Anita Dr.        
Deutner Claudia Dr. med. univ.        
Friedrich Helga Dr.med.        
Gerstenbrand Franz Univ.Prof.DDr.        
Honeder Michaela Dr.med.        
Kramer-Reinstadler Karin Dr.        
Miller Carl Hermann Prim.Univ.Doz.Dr.        
Pohl Peter Univ.Doz.Dr.med.univ.        
Stahr Gerhard Dr.        
Zernig Gerald Ao.Univ.-Prof.Dr.med.  

Offensichtlich werden aber auch von den Gerichten nicht in der Liste der Justiz aufscheinende Psychiater bei Unterbringungsverfahren mit Therangezogen (Siehe Fall Dr.Peter Gurka BG Hall September 2014, oder Personen ohne Gutachten in den Maßnahmenvollzug und Forensik angehalten ( siehe Fall 15-jähriger Jugendlicher in Forensik bzw. http://www.tt.com/panorama/verbrechen/9722876-91/16-j%C3%A4hriger-bleibt-in--der-forensik.csp)

NGO Forum Menschenrechte in Wien - aus psychosozialer Sicht

Im diesjährigen NGO-Forum der Volksanwaltschaft soll über den aktuellen Stand der Arbeiten am NAP-Menschenrechte informiert und in mehreren Workshops über die Projektvorschläge der Bundesregierung diskutiert werden. Das NGO-Forum findet am Mittwoch, den 24. Juni 2015, von 10:30 bis ca. 16:00 Uhr in der Volksanwaltschaft statt.

Aus dem Bereich psychosoziale Gesundheit/Psychiatrie und Menschenrechte ist nur die Stellungnahme von Mag. Otto Westreicher, Mitglied des Monitoringausschusses für Tirol eingegangen.Stellungnahme: Mitglied des Monitoringausschusses des Landes Tirol_Dezember 2014 (408,8 KiB)

Alle Arbeitsunterlagen finden Sie hier (Homepage der Volksanwaltschaft):

Zusammenfassung der Vorschläge der Zivilgesellschaft

Übersicht internationaler Empfehlungen an Österreich

Psychiatrische Gutachter : Jeden Tag ein Gutachten

Fünf Sachverständige, die sich 63 Prozent aller psychologischen Gerichtsgutachten aufteilen.Jeden Tag ein Gutachten, das über das weitere Leben eines Menschen (Maßnahmenvollzug - lebenslange Unterbringung) entscheidet. Ist da die Qualität gewährleistet? 

In Tirol gibt es auch sehr wenige GutachterInnen aus dem Gebiet Psychiatrie, sodass die Fertigstellung eines Gutachtens oft über ein Jahr in Anspruch nimmt.

Artikel in der Presse : Jeden Tage ein Gutachten und nebenbei als Oberarzt tätig vom 31.5.2015

Heimkinder in Tirol mit Röntgenstrahlen behandelt und niedergespritzt

in Tirol wurden bis Ende der 1970er Jahre Heimkinder mit Röntgenstrahlen und mit Mitteln aus der Tiermedizin behandelt. Es seien sogar unter zehnjährige Mädchen niedergespritzt worden. Die Verantwortung liegt bei der Kinder-und Jugendpsychiatrie Innsbruck, vor allem der verstorbenen Psychiaterin Maria Nowak-Vogel, der langjährigen Leiterin der Innsbrucker Kinderpsychiatrie. Durch ihre Expertise kamen die Kinder meisten in die Heime, wo sie auch weiter mit Medikamenten von den Ärzten und Schwestern behandelt wurden.

Die Kinderbeobachtungstation in Innsbruck war über 33 Jahre ein Ort des Schreckens und des Missbrauchs von physischer und psychischer Gewalt an den anvertrauten Kindern und Jugendlichen. Insgesamt wurden bisher über 3000 Opfer erfasst.( Siehe Expertenbericht bzw. Link des ORF 33 Jahre Tyrannei an Kindern in Tirol.)

Die Universität Innsbruck sucht jetzt noch Zeitzeugen, denn schriftliche Quellen reichen nicht aus.

Sedierung in Pflegeheimen und psychiatrischen Abteilungen

Die Volksanwaltschaft hat verheerende Zustände in Österreichs Pflegeheimen angeprangert und mit Hinweis auf eine britische Studie kritisiert, dass drei Viertel aller Heimbewohner wahllos Beruhigungsmittel bekämen. In Deutschland würde die Quote bei etwas mehr als 50 Prozent liegen. Volksanwalt Günther Kräuter bezeichnet die Situation als aus „menschenrechtlicher Sicht absolut dramatisch“.

Zahlenmaterial für Österreich gibt es, das zeigt, dass eine Zunahme der medikamentösen Fixierung zu beobachten ist :

Tagung "Freiheitsbeschränkung durch Medikation" 15.11.2013 in Innsbruck

Susanne Jaquemar, Johannes Hilbe: Prävalenz von freiheitsbeschränkenden Maßnahmen in österreichischen Alten- und Pflegeheimen (Österr. Pflegezeitschrift 5/2013)

Rosalinde Pimon: Freiheitsbeschränkung durch Medikamente. Erfahrungen der Bewohnervertretung - Der Umgang mit medikamentösen Freiheitsbeschränkungen rückt in den Mittelpunkt (iFamZ – Interdisziplinäre Zeitschrift für Familienrecht, September 2010)

Ebenso dramatisch ist die vermutete Zunahme von medikamentöser Freiheitsbeschränkungen in psychiatrischen Krankenhäusern gegen den Willen der PatientInnen. Auch hier wird ein zentrales Register eingefordert.

Zahlenmaterial für Tirol in:

Petition von Mag. Otto Westreicher : Verbesserung der psychosozialen Gesundheit im Lichte der UN-Konvention

und die daraus resultierende Enquete: Verbesserung der psychosozialen Gesundheit in Tirol